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Tag 9:

Am nächsten Tag standen wir gleichzeitig mit der Sonne auf – und zack, die Fliegen waren auch schon da. Ein Phänomen der Fliegen in Australien ist ja, dass sie jeweils verschwinden, sobald es dunkel zu werden beginnt, und morgens noch nicht ganz so zahlreich und etwas langsamer unterwegs sind. Nicht so die Fliegen im Kennedy Range Nationalpark. Diese bleiben wirklich bis zum allerletzten Sonnenstrahl und sind beim allerersten Sonnenstrahl bereits wieder hellwach und zur Stelle.

Die schwarzen Punkte auf den Fotos bewogen uns dazu, nicht wie geplant zwei Nächte im Kennedy Range Nationalpark zu verbringen. Wir beschlossen also, bereits einen Tag früher abzureisen. Ausserdem bestärkte die Fliegenplage uns in unserem Entschluss, nicht noch weiter ins Inland, sondern zurück an die Küste zu fahren.

Lange waren wir uns nicht sicher, ob wir wie die letzten beiden Male der Küste entlang fahren oder neue Wege erkunden und via Mount Augustus durchs Inland fahren sollen. Der Kopf sagte stets: In Coral Bay warst du schon zwei Mal, schaue dir diesmal den grössten Stein der Erde an. Der Bauch hielt jedes Mal dagegen: Coral Bay ist so toll und schön und gemütlich, da gibt es Walhaie und Mantas und deshalb musst du nochmals dorthin. So wurde uns die Entscheidung mehr oder weniger abgenommen, weil wir uns dachten: Noch mehr Inland, noch mehr Fliegen. Und damit zurück zum Thema und zu unserem Morgen im Kennedy Range Nationalpark: Wir brachen unsere Zelte (fast wortwörtlich) also zügig ab, wollten uns aber dennoch einige der Spots im distanzmässig eher überschaubaren Nationalpark nicht entgehen lassen.

Als Erstes steuerten wir den 2 km langen Walk in die Drapers Gorge an, die knapp 2 km vom Campingplatz entfernt ist (für einmal also auch für schweizerische Verhältnisse distanzmässig überschaubar). In den Nationalparkbroschüren stehen zu den Walks immer so vage Zeitangaben wie „allow 40 minutes to 2 hours“. Wir waren nach 1 Stunde und 20 Minuten wieder zurück, inklusive kurzer Frühstückspause (Sandwich with a view) und zahlreichen Fotostopps, weil die Kurzwanderung wirklich sehr schön ist.

Danach ging es weiter zu zwei Spots im Norden des Parks, die mit 4 km ebenfalls nicht weit weg sind. Die Honeycomb Gorge beeindruckt mit einer hohen Felswand aus bienenwabenartiger Gesteinsstruktur, bei Sunrise View handelt es sich um einen leicht erhöhten Aussichtspunkt. Wir waren zwar erst kurz vor 11 Uhr da, als die Sonne also schon fast im Zenit stand. Die Aussicht war aber dennoch atemberaubend.

An dieser Stelle muss nochmals gesagt werden, wie zufrieden wir mit Flynn als 4×4-Camper sind. Sieht man vermutlich auch auf dem Foto. Wir finden ihn einfach super!

Nach den Sightseeing-Stopps fuhren wir zurück nach Carnarvon. Sind ja nur 235 km. Haben wir also für einen knapp 24-stündigen Aufenthalt einen Umweg von 470 km gemacht. Sind für Australien ja gar keine Distanzen. Und hat sich von der Landschaft her definitiv gelohnt. Den Kennedy Range können wir wirklich nur empfehlen. Auch der Campingplatz ist wunderschön. Wenn nur die Fliegen nicht gewesen wären…

Eigentlich wollten wir etwas nördlich von Carnarvon auf einer der grossen Farmen an der Küste übernachten. Viele Farmen in Australien bieten mittlerweile nebst ihrem Vieh- oder Anbaubetrieb auch Übernachtungsmöglichkeiten auf eigens eingerichteten Campingplätzen oder gar in kleinen Bungalows, sogenannten Cabins, an. Da uns aber ein steifer Wind um die Ohren wehte, sobald wir in Küstennähe kamen, entschieden wir uns für die etwas windgeschütztere Stadtnähe. Der Wetterbericht meldete denn auch Winde von bis zu 36km/h. Also übernachteten wir nochmals in Carnarvon, allerdings pfiff uns auch hier der Wind zünftig ums Zelt. Ein Dachzelt hat aussen eine Regenhülle, die aber am Zelt selber befestigt ist. Windet es, schlägt das Aussenzelt bei jeder Böe gegen das Innenzelt. Gut schlafen ist anders, aber wir wollten am nächsten Tag auch nur 240 km bis nach Coral Bay fahren. „Nur“ nach australischen Verhältnissen natürlich. Das ist nicht wie Bern-Zürich, wo man die halbe Fahrzeit im Stau steht. Da fährt man los, setzt den Tempomat bei 110 km/h und grüsst den wenigen Gegenverkehr sogar noch mit Handzeichen.

Tag 10:

Weil der Wind so stark war, entschieden wir uns auf unserer Weiterfahrt Richtung Norden für einen Abstecher (der Abstecher ist 55 km pro Weg…) zu den Blowholes. Dort waren wir letztes Jahr schon, aber wir erhofften uns bei den aktuellen Bedingungen ein grösseres Spektakel. Aus den Blowholes selbst zischte das Wasser nicht übermässig, aber die Wellen, die an die Klippen donnerten, waren ganz schön beeindruckend. Die Klippen selbst ragen ja schon mehrere Meter über den Meeresspiegel hinaus und die Gischt spritzt dann nochmals einige Meter in die Höhe.

Nach dem Wellen-Spektakel fuhren wir die restliche Strecke bis nach Coral Bay. Wir haben Coral Bay nun bereits einmal in den Schulferie erlebt, als die beiden Campingplätze brechend voll und die Wege dazwischen mit dreiradfahrenden Kindern bevölkert waren, und einmal in der brütendheissen Nebensaison, als der Campingplatz fast leer war. Nun haben wir es noch in einer neuen Saison erlebt. Keine dreiradfahrenden Kinder, aber dennoch brechend voll. Vor allem mit Australiern. Solchen ohne Kinder und solchen mit Kindern unter dem schulpflichtigen Alter. Dazwischen vereinzelt einige Mietcamper. Die Walhaisaison (der jährlich entlang der Küste migrierenden Walhaie) ist in vollem Gange, die Temperaturen sind sehr angenehm und deshalb sind Ferien zu dieser Jahreszeit im Badeort Coral Bay sehr beliebt. Auf dem ersten Campingplatz wollte man uns ein sandiges Rechteck ohne Strom und Schatten direkt neben einem lottrigen Zaun für unverschämte 46 AU$ andrehen. Wir entschieden uns für den zweiten Campingplatz, bei dem wir für (ebenfalls unverschämte) 51 AU$ einen Grasplatz mit Strom erhielten. Überteuert war das Ganze natürlich auch, denn die Ablutions (WC- und Duschräume) wurden nur 1x pro Tag geputzt, was bei so vielen Gästen einfach nicht ausreicht… Aber okay, man zahlt natürlich für den Standort und wenn die Nachfrage da ist…

Tag 11:

Für den nächsten Tag hatten wir einen Schnorchelausflug ans berühmte Ningaloo Reef gebucht. Das über 250 km lange Korallenriff gehört zum UNESCO-Welterbe und liegt sehr nahe an der Küste. Das Riff wird als sehr gesund bezeichnet und dem können wir nur beipflichten. Wir haben es nun zum dritten Mal beschnorchelt und die Korallen sind tatsächlich sehr gesund. Allerdings ist das Ningaloo von den Farben her einfach auch nicht mit einem Great Barrier Reef oder gar dem Roten Meer vergleichbar. Dazu fehlen die farbigen Weichkorallen. Dennoch gibt es viele Fische und andere Meeresbewohner, der Grundton in alle Richtungen ist aber grau-grün. Auf unserem Manta-Trip haben wir nebst Mantas auch sehr viele Schildkröten und einige Haie gesehen. Ausserdem haben wir herausgefunden, dass nicht nur Simus altbewährtes Medikament gegen Seekrankheit definitiv seine Wirkung bei ihm verloren hat, sondern dass auch ein neues nicht wirkt. So war es für Simu insgesamt eher eine Qual, während Meret freudig an jedem Schnorchelgang teilnahm. Schön, ist es auf dem Meer zu sein – aber eben nicht für alle…

Tag 12:

Am Donnerstag war sozusagen unser freier Tag. Diesen nutzten wir für zwei Wäscheladungen, die wir dann auch fast sogleich wieder abhängen konnten. Der steife Wind hatte uns bis nach Coral Bay verfolgt (der Mann am Kiosk sprach von einem „unseasonal cold wind“), die Sonne strahlte aber brav vom Himmel. Und so konnten wir unsere Wäsche bereits nach etwa zwei Stunden vom Wäscheständer nehmen. Sogar die dicken Pullover mit Kapuze waren trocken! Danach schlenderten wir etwas durch den Ort und gingen dann an den Strand. In der wunderschönen, ruhigen Bucht, die Coral Bay ihren Namen verleiht, leben zahlreiche Meerestiere direkt am Strand. Wir haben bereits nach wenigen Metern Schnorcheln grosse Stachelrochen und einen Kugelfisch entdeckt. Da hatten wir leider keine Kamera dabei. Erwischt haben wir vom Strand aus allerdings einen kleinen Rochen. Und natürlich Hunderte von Fliegen, die uns zu verfolgen scheinen…

Da wir gerade viel Zeit zum Bloggen haben, wird der nächste Post vermutlich nicht so lange auf sich warten lassen.

Liebe Grüsse und bis sehr bald