Tag 13:
Am Freitag fuhren wir von Coral Bay nach Exmouth bzw. in den angrenzenden Cape Range Nationalpark. Wir hatten bereits aus der Schweiz drei Nächte auf dem Campingplatz im Nationalpark gebucht, waren nun aber etwas früher dran. Leider war es unmöglich, noch eine weitere Nacht dazuzubuchen. Der Nationalpark ist sehr beliebt und die Übernachtung ist mit 22 AU$ eher günstig. Die Campingplätze können mittlerweile nur noch online gebucht werden und es scheint, als würden die Leute Übernachtungen hamstern. Denn im Internet ist immer wieder zu lesen, dass einzelne Plätze letztlich doch leer bleiben. Auch wir hatten bereits in der Schweiz (und damit über einen Monat im Voraus) festgestellt, dass schon fast alle Campingplätze ausgebucht waren. Hierzu ist zu sagen, dass der Nationalpark über etwa 15 Campingplätze mit zwischen 5 und 40 Einzelplätzen verfügt. Platz genug gäbe es also theoretisch. Weil wir noch nicht in den Park konnten, beschlossen wir, die erste Nacht anstatt im Nationalpark nur etwa 10 km weiter nördlich auf der Yardie Homestead zu verbringen. Bevor wir dort unser Dachzelt aufschlugen, erkundeten wir aber bisher unbekanntes Gebiet im Nationalpark. Exmouth liegt auf einer Halbinsel, die sich Richtung Norden in den Ozean erstreckt. Der Cape Range Nationalpark liegt hauptsächlich an der Westseite dieser Halbinsel, die Ortschaft Exmouth auf der Ostseite. Auf der Ostseite gibt es aber auch zwei Spots. Diese wollten wir schon letztes Jahr besuchen, damals waren sie aber gesperrt, weil frühmorgens ein Trupp Jäger losgeszogen war, um wilde Ziegen zu schiessen (die nicht einheimisch sind, die einheimischen Tiere aber verdrängen/gefährden und deshalb abgeschossen werden).
In der Zwischenzeit schienen sich keine neuen Ziegen angesiedelt zu haben, zumindest waren die Spots nicht gesperrt. So fuhren wir zunächst 12 km lang eine Bergstrasse auf den Kamm der Charles Knife Gorge hinauf, von wo sich uns fantastische Aussichten über Berg und Meer boten.
Danach fuhren wir noch in den Shothole Canyon hinein. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Schlucht, die Strecke ist ebenfalls 12 km pro Weg, allerdings fährt man nicht auf dem Kamm, sondern am Fuss der Schlucht entlang über einen holprigen Weg tief in die Schlucht hinein. Der Name stammt daher, dass in der Schlucht den 1950er-Jahren Testsprengungen durchgeführt wurden. Die Löcher, die ihr den Namen geben, haben wir aber nicht so explizit gesehen, weil der Weg zum Aussichtspunkt, von wo aus man sie sehen sollte, zurzeit gesperrt ist, damit sich die Natur regenerieren kann.
Tag 14:
Seit ein oder zwei Tagen beklagte sich Simon bereits über ein Stechen in der rechten unteren Bauchgegend. Meret als Hypochonder und Hobby-Diagnostikerin tippte sofort auf den Blinddarm, was aber verworfen wurde. So fuhren wir guten Mutes in den Nationalpark. Irgendwann kam es zum Fahrerwechsel, weil Simons Schmerzen stärker wurden. Dennoch stapften wir den ersten Kilometer des Walks in die Mandu Mandu Gorge ab. Wir hatten ohnehin nicht die ganze Wanderung machen wollen, schliesslich haben wir die letztes Jahr erst gemacht. Wir wollten aber in den Felsen nach Rock Wallabys (Felsenkängurus) suchen. Und fanden tatsächlich ein paar wenige.
Tag 15:
Als Meret am Sonntag endlich aufwachte, gab Simu sofort das Signal zum Zusammenpacken. Wir hatten bereits am Vorabend besprochen, am nächsten Tag ins Spital in Exmouth zu fahren, sollten Simus Schmerzen nicht besser werden. Wurden sie nicht, im Gegenteil.
Also packten wir so schnell wie möglich alles zusammen und fuhren die knappe Stunde ins nächstgelegenen Krankenhaus. Es ist schon komisch, wie der Zufall so spielt. Noch nie zuvor hatten wir in einem Ort die Wegweiser zum Krankenhaus bei der Durchfahrt auch nur ansatzweise wahrgenommen. In Exmouth allerdings schon. So wussten wir, dass es ein Spital gibt. Und dass es für australische Verhältnisse gar nicht weit weg ist. Nur einmal rund um die Halbinsel (quer geht nicht, da liegt eine Gebirgskette dazwischen…). Kurz nach 8.30 Uhr standen wir also vor der verschlossenen Spitaltür. Open from Monday to Friday… Haben wir also kurzerhand auf den Knopf für Emergency gedrückt und hatten auch sogleich eine Nurse an der Gegensprechanlage. Simon wurde also ins Spital aufgenommen, es kam eine lehrbuchwürdige Anamnese (Beurteilung der Hobby-Diagnostikerin), gefolgt von der Diagnose: akute Blinddarmentzündung. Das ausschliesslich weibliche Personal war extrem freundlich und zuvorkommend und umsorgte uns vorbildlich. Leider änderte das nichts an der Diagnose und der dringend notwendigen Operation. In Australien gibt es die REGA-ähnlichen Royal Flying Doctors Services, die wir bereits kannten, weil wir im November 2016 in Alice Springs das Museum besucht haben. Da das Spital in Exmouth sehr klein ist und dort keine Operationen durchgeführt werden, musste Simu für die Blinddarm-OP mit einem Flugzeug der Royal Flying Doctors in die nächstgrössere Stadt verlegt werden. Angehörige können nicht mitfliegen, weil in den kleinen Flugzeugen nebst dem Arzt und dem Piloten gerade einmal 2 Patienten Platz haben. Auch Simon hätte nicht mitfliegen können, wenn er zu schwer gewesen wäre. Denn er wurde einfach auf einem bestehenden Flug untergebracht, der in Exmouth einen Zwischenhalt einlegte. Als Gepäck darf man gerade einmal ein „Turnseckli“ mit seinen Habseligkeiten mitnehmen. In unserem Fall war die nächstgrössere Stadt mit einem Spital Port Hedland im Norden. Das lag eigentlich ausserhalb unserer Route, aber man ist ja nicht wählerisch. Nach gut vier Stunden Warten in der Notaufnahme in Exmouth wurde Simu also von der Ambulanz abgeholt und auf den Militärflughafen gebracht, wo die Royal Flying Doctors landen. Port Hedland liegt 770 km Fahrt von Exmouth entfernt, deshalb beschlossen wir, dass Meret Simu einfach hinterherfahren würde. Die Situation war doch recht seltsam, war Meret doch plötzlich alleine im Auto unterwegs. Und lag Simu fast 800 km entfernt in einer fremden Stadt in einem fremden Spital. Da die Strecke zwischen Exmouth und Port Hedland nicht gerade dicht besiedelt ist, blieben als einzige Übernachtungsmöglichkeiten die Roadhouses, die meistens auch einen Campingplatz und einige Cabins haben. Weil Meret erst um 14 Uhr in Exmouth losfahren konnte, war eine Übernachtung unumgänglich. Im Dunkeln sollte man in Australien nicht fahren, weil da die Kängurus und die nicht eingezäunten Kühe auf der Fahrbahn rumhüpfen. Meret verbrachte die Nacht also in einem absolut trostlosen Container mit vergilbter Bettwäsche (alleine Dachzelt aufstellen wollte sie gar nicht erst versuchen…). Unterdessen lag Simon in der überfüllten Notaufnahme von Port Hedland und wartete fünf Stunden lang auf seine OP. Abends um fast 22 Uhr war er dann schliesslich an der Reihe und ihm wurde mittels Bauchspiegeltechnik, bei dem es drei kleine Löcher in den Bauch gibt, der Wurmfortsatz entfernt. Aussage der Ärztin: Your appendix looked absolutely terrible.
Tag 16:
Am nächsten Tag fuhr Meret bei Sonnenaufgang mit viel Kaffee ausgerüstet los, um die restlichen 500 km unter die Räder zu nehmen. Von Simon hatte sie noch nichts gehört, denn der war immer noch knocked out von der Narkose. Deshalb rief sie von unterwegs im Krankenhaus an und erfuhr immerhin, dass er noch lebte.
Unterdessen lag Simon mit Schmerzen im Spitalbett. Dennoch sprach das Personal bereits von seiner Entlassung. Was für ihn auch stimmte, weil seine Zimmernachbarn etwas laut waren. Insgesamt hatte Simon von seinem Eintreffen im Spital in Exmouth bis zu seiner Entlassung aus dem Spital in Port Hedland mit 25 verschiedenen Personen zu tun. Kein Wunder, kann man sich da nicht alle Namen merken. Kurz nach Mittag trafen Meret und Flynn (Meret und Flynn allein gegen den Rest der Welt!) endlich in der sehr unidyllischen Minenstadt Port Hedland ein. Eingekesselt zwischen 56 m langen Roadtrains fuhren sie in die Stadt ein und fanden das Spital sofort, denn auch hier ist es sehr gut ausgeschildert. Wenn man die Schilder denn beachtet.
Im Spital ging dann die Warterei auf die Entlassungspapiere los. Aber immerhin konnten wir nun wieder gemeinsam warten. Etwas skeptisch war Meret aber schon, denn Simu sah noch ser lädiert und alles andere als fit aus. Kein Wunder, die OP war ja noch nicht einmal 24 Stunden her. Als wir das Spital am späten Nachmittag endlich verlassen konnten, fuhren wir nur gerade 5 Minuten zum nächsten Campingplatz und mieteten uns in ein Cabin ein. Übernachten im Dachzelt ist für die restlichen Ferien natürlich gestrichen, auch fahren darf Simon nicht mehr. Aber Meret und Flynn sind nach der Kilometerschränzerei ja jetzt ein eingespieltes Team.
Tag 17:
Port Hedland ist wie gesagt eine Minenstatt. Das merkt man am roten Staub überall und den aufragenden Silos. Auf dem Campingplatz gibt es mehr Cabins als Stellplätze, weil hier die temporären Minenarbeiter unterkommen. So befindet sich Flynn neben den anderen 4×4-Pickups in guter Gesellschaft. Allerdings hat er als einziger eine Einbauküche und ein Dachzelt.
Wir befinden uns aktuell mitten in Tag 17, an dem wir nochmals in unserem Cabin in Port Hedland übernachten. Simon muss sich noch schonen und hat auch immer noch Schmerzen. Morgen werden wir dann die rund 1800 km lange Rückreise nach Perth antreten. Leider ist die Gegend ja eben nicht gerade dicht besiedelt, weshalb uns keine andere Wahl bleibt, als die einzigen bestehenden Übernachtungsmöglichkeiten anzusteuern. An weniger als 230 km bis 300 km pro Tag werden wir in den ersten Tagen wohl nicht vorbei kommen. Hoffentlich vertragen sich Schmerzen und Autofahren einigermassen, denn am 24. Mai müssen wir ja unseren Flynn wieder in Perth zurückgeben. Bis dahin müssen wir uns wohl zwangsläufig an Campingplätze mit Cabins oder Motels halten. Schade, gerade jetzt, wo wir mit dem Camperleben mit Flynn so gut zurechtkamen.
Wir werden sicher wieder darüber berichten, wie sich unsere drastisch geänderte Reise weiter gestaltet und wie es uns geht. Wir versuchen einfach, das beste aus unserer Rückfahrt nach Perth zu machen und die Ferien trotzdem noch irgendwie zu geniessen.
Liebe Grüsse
Hallo zusammen. Da logged man sich erstmals in den Blog ein und was liest man da… Blinddarm! Schei…!!! GUTE BESSERUNG und GUTE GENESUNG 🙂 Nichts desto trotz – oder gerade darum – geniesst die Ferien. Grüsse aus der Schweiz, Urs
Oh Nein, das sind Abenteuer, die man eigentlich nicht erleben möchte! Der Blindarm ist ja jetzt wenigstens weg, dass heisst, Simu kann das nie mehr passieren!
Jedenfalls hoffe ich, ihr könnt Australien und die Ferien trotzdem noch geniessen und euch vor allem auch erholen vom ganzen Stress.
Ganz liebi Grüess, Sandra
P.S. Wollte euch eigentlich einen Kommentar zum gut und spannend geschriebenen Blog hinterlassen. Bis jetzt hat es Spass gemacht mit euch „mit zu reisen“.
ajajaj liebe Schlumpfs, das liest sich ja sehr abenteuerlich…
…und war vermutlich noch abenteuerlicher als es sich liest!
Gute Besserung dem leidgeplagten Simon, und euch beiden alles Gute für den Rest der Reise, geniesst es noch, so gut es geht! Zumindest das bestimmt schöne und warme Wetter, die Sonne, die Landschaft, die unendlichen Weiten, die Hörbücher, die fliegenfreien Abende und sicher das kühle australische Bier!
Also niente Mount Augustus (pssscht, nur für Meret „vielleicht das nächste Mal….“).
Eure Einträge und die Bilder sind immer fantastisch und lassen Erlebtes nochmals so schön hochkommen; herzlichen Dank!
ein lieber Gruss nach down under
Hugo & Michela
Hallo zäme. Das tönt ja wirklich nicht gut. Hoffe dass es Simu bald wieder besser geht ind ihr den letzten Teil eurer Reise noch gut abschliessen könnt. Simu, wünsche dir eine möglichst schmerzfreie Rückfahr. Häbet Sorg dir zwöi.
Liebi Grüess us dr Schwiz. Papi/Rolf und Bea