Fortsetzung Tag 21:
Nachdem wir die wenigen Besorgungen in Carnarvon erledigt hatten, breiteten wir uns auf der kleinen Rasenfläche hinter unserem Cabin aus. Wir waren zwar nicht ganz sicher, ob diese auch noch zu unserem Cabin gehörte, aber leider war unsere Veranda gegen Süden ausgerichtet und bekam den ganzen Tag keinen einzigen Sonnenstrahl ab. Das war der einzige Nachteil unseres ansonsten wirklich tollen Cabins. Der Campingplatz war aber ohnehin nicht voll besetzt und der immer wieder auf einem Golfwagen vorbeifahrende Platzwart schien nichts dagegen zu haben. So verbrachten wir einen sehr gemütlichen Nachmittag an der Sonne und Simu wagte sich sogar sachte an sein erstes Bier.
Tag 22:
Am nächsten Tag verliessen wir unsere Unterkunft in Carnarvon und fuhren 450 km weiter nach Kalbarri. Dort hatten wir zwar auf dem Hinweg bereits Halt gemacht, aber wir dachten, dass wir dadurch abgesehen vom Highway vielleicht doch noch etwas vom Land sehen würden. Im Kalbarri Nationalpark gibt es mehrere Lookouts, die nur einige 100m vom Parkplatz entfernt sind. Da Simu zwar noch keine grossen Sprünge, aber immerhin schon mehrere 100m am Stück schaffte, war das auch eine wirklich gute Idee. So kam ein wenig das Gefühl von Ferien und Roadtrip zurück. Die beiden Spots Hawsk Head und Red Bluff hatten wir letztes Jahr zwar bereits abgeklappert, dieses Jahr aber noch nicht. Und ein erneuter Besuch lohnte sich durchaus.
Die Nacht verbrachten wir in einem riesigen Cabin auf dem Kalbarri Tudor Holiday Park. Darin hätten eigentlich 6 Personen Platz gefunden (ein Doppelzimmer und ein Zimmer mit zwei Kajütenbetten), aber mit 140 AU$ fanden wir den Preis okay. Und die freundliche Dame an der Rezeption schien Mitleid mit uns zu haben und gab uns von sich aus 10% Ermässigung.
Mit unserer Unterkunft waren wir sehr zufrieden, da es warm genug war, um noch ein bisschen draussen auf der Terrasse zu sitzen. Abends versammelten sich schwarmweise Kakadus in den umliegenden Bäumen und am nächsten Morgen freuten wir uns über einige Kängurus, die nur wenige Meter von unserem Cabin vorbeihoppelten.
Tag 23:
Am nächsten Tag stand nur eine kurze Etappe auf dem Programm, schliesslich waren wir nur noch knapp 600 km von Perth entfernt, wir hatten aber immer noch einige Tage Zeit, bis wir den Camper abgeben mussten.
Nachdem wir zwei Spots an den Klippen besucht hatten, ging die Reise Richtung Süden weiter. Das Wetter verschlechterte sich zusehends und plötzlich befanden wir uns mitten in einem Platzregen. Eigentlich hatten wir an einen Campingplatz am Strand fahren wollen. Da wir Zeit hatten, nahmen wir den kurzen Umweg nach Horrocks Beach unter die Räder, fanden den Ort im Dauerregen aber so trostlos, dass wir uns zur Weiterfahrt entschieden. So landeten wir relativ früh nachmittags in Geraldton und bezogen dort unser etwas in die Jahre gekommenes, aber sauberes Cabin. Später zeigte sich tatsächlich die Sonne nochmals kurz und wir sassen fast den ganzen Nachmittag auf der riesigen Terrasse. Als es kühler wurde, schnappten wir uns einfach die beiden Wolldecken und mummelten uns ein, bis es auch dafür zu kalt war. Das Cabin war leider nicht so gemütlich wie andere, weshalb wir so lange wie möglich draussen sitzen wollten.
Tag 24:
Das Highlight an diesem Tag war der spontane Besuch im Greenough Wildlife & Bird Park. Daran sind wir auf unseren Reisen durch Westaustralien nun schon x-mal vorbeigefahren, hatten ihn aber immer ausgelassen, weil wir dachten, es handle sich einfach um einen Zoo (was wir nicht unbedingt unterstützt hätten). Da wir aber nur eine kurze Strecke von rund 200 km vor uns und somit viel Zeit zur Verfügung hatten, recherchierten wir vor dem Verlassen von Geraldton über Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung und erfuhren dabei, dass es sich nicht um einen Zoo, sondern um ein Sanctuary handelt. Sie nehmen verletzte oder unerwünschte Tiere auf und kümmern sich dann um diese, um sie später wieder der Wildnis zu übergeben, sofern das möglich ist. Tiere, die nicht mehr ausgewildert werden können, dürfen ihren Lebensabend dort verbringen. In den Gehegen warteten verschiedene einheimische Tiere, aber auch Nutztiere wie Schafe, Ziegen, Alpakas und ein Pferd auf uns. Wir hatten Glück und Michelle, die ihren Job als Rangerin mit wirklich viel Liebe ausführt, hatte gerade einer Gruppe Jugendlichen die kleinen Joeys (Kängurubabys) zum Hämpfelen übergeben, während ihr Rosa-Kakadu auf dem Tisch umherlief. Auch ihr Kakadu gehört zu den geretteten Tieren, da eine ganze Horde aus dem Nest gefallen war. Einer davon wurde nach seiner Rettung schwer krank und konnte nicht mehr ausgewildert werden. Dieser ist inzwischen 9 Monate alt und sehr gerne bei Menschen. Simu hat sich sofort in ihn verliebt, da Kakadus inzwischen sehr weit vorne in seiner Lieblingstier-Liste zu finden sind. Die Freude war gross, als wir erst den Kakadu und danach auch noch zwei der wirklich noch sehr kleinen Joeys halten durften. Die Joeys werden aus den Beuteln ihrer Mütter gerettet, wenn diese überfahren und am Strassenrand zurückgelassen werden. Zum Glück gibt es in ganz Australien sehr engagierte Menschen, die solche hilflosen Kängurus dann bei sich aufnehmen und liebevoll und sehr zeitintensiv aufpäppeln, denn die Kleinen benötigen alle drei Stunden ihr Fläschchen und sind sehr anhänglich.
Die Nacht verbrachten wir in einem topmodernen Cabin auf dem Jurien Bay Tourist Park, in dem wir uns sehr wohl fühlten. Kurz vor Sonnenuntergang liefen wir die paar 100m zum Strand (das liegt ja in Simus Radius, hihi), wo sich uns ein tolles Wolken- und Farbenspiel bot.
Tag 25:
Auf dem weiteren Weg Richtung Süden haben wir uns entschlossen, unseren Nationalparkpass noch so gut wie möglich auszuschöpfen. Also haben wir noch einmal mehr den kurzen Abstecher zu den Pinnacles gemacht. Wir können’s ja 🙂
Den Pinnacle Drive fuhren wir nun das 4. Mal, jedoch zum ersten Mal mit Meret am Steuer. Sie meisterte die enge Fahrbahn mit dem grossen und breiten Flynn in Perfektion 🙂
So langsam haben wir die Pinnacles aber doch gesehen und so ging’s auch bald schon weiter. Weil wir noch Zeit hatten (auch an diesem Tag war die Etappe nur gut 200 km) und die Sonne ab und zu durch das Wolkenmeer durchzudrücken vermochte, machten wir noch einen Abstecher nach Lancelin. Dort gibt es grosse Sanddünen, von denen man mit Sandboards runtersausen kann. Das Runtersausen entfiel in unserem Fall natürlich, aber wir schafften es doch auf eine Düne rauf und dort genossen wir die Aussicht auf die umliegenden Dünen und aufs Meer.
Danach konnten wir es nicht lassen, nochmals im Yanchep Nationalpark vorbeizufahren. Nicht, dass wir den noch nie gemacht hätten, aber von den Koalas, Känguruhs und Kakadus bekommen wir nie genug. Dieses Mal waren ganze Schwärme von schwarzen Kakadus im Park unterwegs. Die Kängis fanden wir hingegen im hinteren Teil, nämlich auf dem Golfplatz. So muss Golf spielen richtig Spass machen. Die Kängis machten allerdings keine Anstalten, mehr als das eine Loch zu spielen. Wir fanden es herrlich, so nahe von Perth (es sind nur rund 50 km) nochmals auf so viel Wildlife zu treffen. Die Koalas sind natürlich eingesperrt, da sie in Westaustralien nicht heimisch sind. Dennoch werden sie grosszügiger gehalten als in einem regulären Zoo; die Gehege sind viel weitläufiger und die Eukalyptusbäume viel höher. Lustigerweise sitzen die knuffigen Beuteltiere meistens ganz weit oben oder sie drehen dem Steg, der durch ihr Gehege führt, den Rücken zu, so dass es schwierig ist, sie zu fotografieren. Die anderen Tiere sind aber heimisch und halten sich von sich aus gerne in dem Naturparadies auf. Nebst den Koalas, den Kakadus und den Kängurus durften wir im Yanchep noch den allerersten Kookaburra unserer diesjährigen Australienreise bewundern. Er platzierte sich auf einem Ast und posierte brav.
Für unsere letzten beiden Nächte bezogen wir ein Cabin im Karrinyup Waters Resort in Gwelup, einem Vorort von Perth. Diesen Ort hatten wir ausgesucht, weil Simu 10 Tagen nach seiner Operation noch ein Kontrollbesuch beim Arzt verordnet worden war. Wir haben uns über unsere Campingplatz-App also einen Campingplatz ausgesucht und dann geschaut, ob es in der Nähe eine Arztpraxis mit freien Terminen gibt. Für stadtnahe Übernachtungen können wir den Campingplatz vorbehaltslos weiterempfehlen. Er liegt in einer riesigen Grünanlage mit zwei kleinen Seen, wo wir auf schwarze Schwäne und einen Pelikan trafen. Abends sassen wir wieder gut in unsere Wolldecken eingepackt auf der Terrasse und genossen die Abendstimmung mit den riesigen Schwärmen von Kakadus, die über unsere Köpfe hinweg flogen.
Tag 26:
Unser vorletzter Tag in Australien war nicht besonders spannend, denn es standen banale Aufgaben wie Packen und Flynns Innenreinigung an. Danach sassen wir lange auf unserer Terrasse und lauschten unserem dritten Hörbuch der Reise, das wir gerne noch fertig schaffen wollten. Um 17.45 Uhr war Simus Kontrolltermin beim Arzt, was uns zeitlich natürlich etwas mit unserem Apéro in die Quere kam, das deshalb warten musste. Simus Wunden sahen nach eigener Beurteilung gut aus, auch Schmerzen hatte er so gut wie keine mehr, abgesehen von einem Ziehen hie und da an den drei Wunden. Die Schmerzmittel hatte er einige Tage zuvor absetzen können. So wussten wir gar nicht so recht, was wir beim Arzt eigentlich sollten. Aber das war vom Spital so angeordnet worden, wir hatten den Termin und es war nur 5 Minuten mit dem Auto von unserem Campingplatz entfernt, also fuhren wir etwas widerwillig dorthin. Der Arztbesuch entpuppte sich als durchaus positives Erlebnis, denn Craig war sehr freundlich, erklärte nochmals einiges über die Narbenentwicklung, was uns im Spital niemand gesagt hatte. Um 18 Uhr waren wir bereits wieder zurück in unserem Cabin und konnten uns ein Bierchen genehmigen.
Tag 27:
Am 24. Mai war schliesslich der Tag der Abreise gekommen. Unser Flug ging erst um 17 Uhr, also blieb uns viel Zeit, mit Flynn für die Aussenreinigung in die Waschanlage zu fahren (Simu hat übrigens auch fleissig geholfen, auch wenn man das auf dem Foto nicht sieht; aber Selfies in der Waschanlage sind halt etwas schwierig…). Danach fuhren wir noch einige Strände nördlich von Perth an und verdrückten dort unsere Sandwiches. Am Strand beobachteten wir einen Kormoran beim Fischen und ausserdem eine Schule von ca. 6 Delfinen, die sich unweit des Strandes sehr lange tummelten, völlig unbeeindruckt von den Hundespaziergängern am Strand und dem Bootsverkehr im Wasser. Für uns ein wunderbarer Abschluss, der uns beinahe die Zeit vergessen liess. Wir waren so sehr in das Schauspiel versunken, dass wir fast zu spät zur Fahrzeugabgabe aufbrachen.
Unterwegs mussten wir noch Flynns Tank füllen (stolze 107 Liter passten rein, obwohl die Tankanzeige noch bei einem Viertel stand) und auch die Gasflasche des Gaskochers muss man beim Vermieter TCC neu wieder voll zurückgeben. Da es zu Flynn keine Beanstandungen gab und wir zeitlich etwas knapp dran waren, fiel die Fahrzeugübergabe eher knapp aus und wir bestellten uns schnell ein Uber, das uns innert 20 Minuten zum Flughafen brachte. So waren wir zeitlich auch wieder voll im Fahrplan und konnten unser Flugzeug nach Singapur pünktlich besteigen. Am Flughafen Singapur trafen wir noch kurz auf Pierens, die nach 10 Wochen Südostasien ebenfalls auf dem Heimweg waren. Ihr Swiss-Flug ging allerdings zwei Stunden vor unserem Singapore-Flug. Wir wussten nicht, ob wir sie noch erwischen würden, aber praktischerweise landete unser Flug aus Perth nur 5 Gates von ihrem Abfluggate entfernt, sodass wir automatisch an ihnen vorbeispazierten.
Zurück in der Schweiz:
Am 25. Mai morgens landeten wir (aufgrund des dichten Flugverkehrs etwas verspätet) in Zürich und wurden freundlicherweise von Mesche abgeholt. Da Simu immer noch nicht schwer heben darf, wäre es für Meret nicht so lustig gewesen, alle Gepäckstücke alleine in den Zug zu verfrachten. Und das noch mit zwei Mal umsteigen. So wurden wir direkt nach Hause gefahren, wo uns die Katzen im Garten erwarteten. Wir fanden sie fast nicht, weil der Rasen nach vier Wochen ohne Mähen so hoch steht, dass sie sich darin verstecken können. Sie scheinen den wilden Garten zu geniessen; für uns wird aber bald etwas Rasenpflege anstehen.
Nun sind wir also wohlbehalten wieder zu Hause. Vielen Dank, dass ihr uns auf eine weitere Reise begleitet habt. Wir haben die Ferien trotz unvorgesehenem Spitalaufenthalt und entsprechend bedingter Routenänderung genossen. Leider heisst das, dass wir noch unfinished business in Australien haben. Eine weitere Reise nach Down Under irgendwann ist also nicht ausgeschlossen 🙂
Liebe Grüsse zurück aus der Heimat
Simu & Meret
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