Vielen Dank für eure vielen Rückmeldungen und guten Genesungswünsche für Simu! Bei uns ist soweit alles in Ordnung und Simon geht es jeden Tag ein bisschen besser. Grosse Sprünge liegen natürlich noch nicht drin, denn die OP ist noch keine Woche her und deshalb ist immer noch Schonen angesagt. Aber wir machen das beste aus der Situation, reisen nun halt einfach ein bisschen anders.
Fortsetzung Tag 17:
Die zwei Nächte auf dem Blackrocks Tourist Park in Port Hedland (bzw. South Hedland) und der Erholungstag dazwischen haben Simu gut getan. Für die zweite Nacht fühlten wir uns auf dem Campingplatz dann aber doch nicht mehr ganz so wohl, denn die Cabins liegen sehr nah neben- und beieinander. Ihr müsst euch einen rechteckigen Container vorstellen, der jeder vier Cabins enthält. Mit direkt aneinandergrenzenden, sehr dünnen Wänden. Direkt gegenüber und dahinter liegen weitere solche Container. Während wir das Cabin für die erste Nacht völlig in Ordnung fanden, zumal es nur 90 AU$ (ca. 70 CHF) pro Nacht kostete und wir froh waren, dass wir nach dem Spital nicht noch allzu weit fahren mussten, kamen wir an unserem Erholungstag und vor allem am zweiten Abend etwas stärker mit den Menschen in Berührung, die in diesen Cabins leben. Das sind wie gesagt temporäre Minenarbeiter und ihre Familien. In Berührung ist zwar vielleicht übertrieben, aber wir bemerkten sie zumindest. Gegenüber fand ein Beziehungs- und/oder Familiendrama eines aborigine-stämmigen Paares mit Kleinkind statt. Da wurde geschlagen, laut geschrieben, geheult… Ein Nachbar, der sich einmischte, wurde ebenfalls lauthals angeschrien und mit allen möglichen Schimpfwörtern versehen. Wir versuchten deshalb, uns möglichst still zu verhalten, damit wir nicht auch zum Ziel wurden. Weder Simu noch Meret hätten sich gegen einen gewalttätigen Minenarbeiter verteidigen können. Später zog dann ein ebenfalls aborigine-stämmiges Paar mit Kleinkind direkt in das Cabin neben uns. Da wurde gerotzt und gehustet; wir konnten den Staub auf den Lungen direkt hören. Und waren beim sehr schief gesungenen Einschlaflied für das Kind praktisch hautnah dabei.
Tag 18:
Am nächsten Tag packten wir früh unsere sieben Sachen zusammen und fuhren aus der Stadt. Weil wir das Dachzelt nun nicht mehr benutzen können, müssen wir uns an Campingplätze mit Cabins oder Motels halten. Cabins sind uns dabei aber lieber. Normalerweise sind sie etwas grösser und schöner als jene in Port Hedland. Man kennt sie ja auch von den Campingplätzen in Europa, die Mobilhomes oder Bungalows anbieten. Meistens haben sie eine kleine Veranda und eine kleine Küche, sodass wir zumindest noch ein bisschen draussen sitzen und selber kochen können. Schliesslich haben wir noch einige Vorräte dabei, die wir gerne aufbrauchen würden. Ausserdem können wir uns mit den Cabins einen kleinen Rest Camping-Feeling bewahren.
Erste Übernachtungsmöglichkeit von Port Hedland aus war Karratha, 230 km südwestlich von Port Hedland. Diese steuerten wir an und bezogen bereits mittags unser gemütliches Cabin. Das Fahren ging erstaunlich gut, auch wenn Simu die Vibrationen und jede Unebenheit im Strassenbelag gut spürte.
Weil wir früh auf dem Campingplatz waren, konnte sich Simu noch ein bisschen auf dem bequemen Bett ausstrecken und es blieb auch Zeit, noch etwas draussen zu sitzen. Das Abendessen kochte Meret nur für sich, denn Simus Appetit war seit der OP noch nicht zurückgekehrt. Im Spital war Simu am Morgen nach der Operation ja bereits Toastbrot und 14 Stunden nach der Operation schon ein richtiges Menü mit Ragout und Kartoffeln vorgesetzt worden. Also gingen wir davon aus, dass in dieser Hinsicht alles wieder in Ordnung ist. Sämtliche Google-Ergebnisse sprachen aber von Flüssignahrung, gefolgt von Schonkost. Kein Wunder also, hatte Simu keinen Appetit auf Merets Küchenkreationen…
Tag 19:
Am darauffolgenden Tag ging die Reise weiter. Zum Glück ist die Landschaft schön, denn ausser dem North West Coastal Highway sehen wir im Moment nicht gerade viel.
Übernachtungstechnisch hatten wir die Wahl zwischen einer Fahrstrecke von 270 km mit anschliessender Übernachtung im trostlosen Roadhouse, in dem Meret auf dem Weg nach Port Hedland übernachtet hatte. Diese Möglichkeit zogen wir nur als Notlösung in Betracht, sollten wir aus irgendeinem Grund nicht weiter fahren können/mögen. Zweite Möglichkeit war das nächste Roadhouse, das 500 km von Karratha entfernt liegt und dessen Cabins im Internet immerhin etwas gemütlicher aussehen. Wir waren aber bereits um 14 Uhr dort und wollten nicht den ganzen Nachmittag in einem Container verbringen. Die Cabins der Roadhouses bieten nun mal einfach keinen Aussenbereich. So beschlossen wir, die 140 km bis Carnarvon auch noch unter die Räder zu nehmen. In Carnarvon gibt es sieben Campingplätze, die alle schöne Cabins mit Terrasse und Küche haben. Nach 640 km Fahrt bezogen wir nachmittags um 15.30 Uhr unser tolles Cabin auf dem Wintersun Caravan & Tourist Park. Hier wollten wir gleich zwei Nächte bleiben, da wir nun immerhin die Hälfte des Rückwegs nach Perth bereits geschafft hatten. Je weiter südlich wir kommen, desto kälter wird es. Der Winter hält mit grossen Schritten Einzug und deshalb ist der Anreiz, weiter in den Süden zu fahren, doch recht gering. In Carnarvon ist es immerhin tagsüber noch schön warm, nachts fallen die Temperaturen aber auch schon unter 10 Grad.
Tag 20:
Der Freitag war nach dem langen Fahrtag als Erholungs- und Waschtag geplant. Ausserdem wollten wir uns eine mögliche Route für die Weiterfahrt überlegen. Schlussendlich gab es den Tag über aber doch einiges zu tun. Weil wir in der Nacht in unserem Cabin nur mit Leintuch und dünner Mikrofaserdecke recht gefroren hatten, holte Meret die Wolldecken aus dem Dachzelt. Bei dieser Gelegenheit konnte sie dort oben gleich klar Schiff und das Dachzelt abgabebereit machen. Für alle, die es interessiert: Man kann so ein Dachzelt also auch als nicht so gross gewachsene Frau alleine aufstellen und zusammenbauen! Das Aufbauen dauert überdies gerade mal 7 Minuten, ohne sich besonders anzustrengen. Für die Rückreise waren wir uns sehr unschlüssig, welche Etappen wir fahren sollten. Bei knapp 900 verbleibenden Kilometern und 7 Tagen Zeit gab das keine grossen Tagesstrecken und irgendwie wollten die Übernachtungsmöglichkeiten mit Cabins nicht so recht zu den möglichen Etappen passen. Ausserdem wollten wir temperaturbedingt wie gesagt nicht allzu früh im Süden eintreffen. Deshalb beschlossen wir kurzerhand, noch eine Nacht länger in Carnarvon zu bleiben.
Allen, die nicht gerne mit dem Camper unterwegs sind, aber schon lange von einer Reise nach (West)Australien träumen, können wir nun guten Gewissens eine Reise mit Mietauto und Cabins empfehlen. In diesem Sinne: Australienreise mal anders 🙂
Tag 21:
Heute stehen einkaufen, tanken und endlich mal ein bisschen entspannen auf dem Programm. Morgen wollen wir knapp 500 km weiter in den Süden fahren und dort dann wiederum zwei Nächte bleiben. Wir halten euch weiterhin auf dem Laufenden. Neu leider nicht mehr mit den tollen Fotos und mit deutlich weniger Erzählmaterial.
Liebe Grüsse und auf bald
Simu & Meret
Freut uns zu hören, dass es Simu doch so langsam besser geht. Häbet no müglechscht schöni Tage u de bis glii. Fröie us, öich de wider z‘gseh. Liebi Grüess Papi/Rolf u Bea