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Tag 6: An Tag 6 stand pünktlich um 8.45 Uhr das Pelican Feeding in Kalbarri auf dem Programm. Jeden Tag verfüttert jemand vom Visitor Centre einen Eimer Fische an die anwesenden Pelikane. Manchmal kommen wie bei uns nur drei Stück, manchmal sind es viel mehr Pelikane. Es handelt sich um freilebende Vögel, die selbst entscheiden, ob sie die gratis Mahlzeit abholen wollen oder nicht. Wir haben dem Spektakel keine allzu grosse Beachtung geschenkt, sondern standen etwas abseits, weil wir ja Pelikane und nicht Menschenmassen fotografieren wollten.
Danach ging unsere Reise zügig weiter Richtung Norden, schliesslich wollten wir noch 400 km unter die Räder nehmen. Kurz nach Abfahrt gab es allerdings bereits Grund, am Strassenrand Halt zu machen: Meret hatte einen Thorny Devil (Dornenteufel) entdeckt. Nach dieser kleinen Echsenart suchen wir bereits seit unserer ersten Australienreise, weil sie absolut einzigartig und faszinierend ist. Sie ernähren sich hauptsächlich von Ameisen (von denen gibt es auf dem Roten Kontinent ja mehr als genug). So stellen sie sich mit Vorliebe breitbeinig an eine Ameisenstrasse und mampfen Ameise um Ameise. Und um zu trinken, stellen sie sich in eine Pfütze und das Wasser läuft dann irgendwelchen Kanälchen entlang in ihren Mund. Wir zitieren aus dem Gedächtnis, wenn es also jemand ganz genau wissen will, googelt ihr das am liebsten selbst.
Als Ziel für diesen Tag hatten wir den Big Lagoon Campingplatz im sandigen Francois Peron Nationalpark festgelegt. Wir haben uns im Vorfeld schon überlegt, ob wir die anstrengende Sandpiste ein drittes Mal machen wollen oder ob wir es diesmal sein lassen. Zum Glück haben wir uns dafür entschieden! Unser Flynn (merci Tala für den Namensvorschlag!!) als gut ausgestatteter Hilux meisterte alle schwierigeren Stellen mit links und brachte uns sicher an die Big Lagoon.
Der Platz ist traumhaft, weg von jeglicher Zivilisation, von Strom und Handyempfang direkt an einer ruhigen Lagune gelegen. Der Campingplatz ist sehr einfach, obwohl er der grösste des Parks ist und sogar über BBQ-Stellen verfügt. Ansonsten hat es einfach eine der für Australien sehr üblichen Bushtoiletten (long drop toilet).
Dank der abgeschiedenen Lage wird der nächtliche Sternenhimmel auch nicht durch das Streulicht nahe gelegener Städte „verschmutzt“. So konnte Simu ein wenig mit der Kamera experimentieren und versuchte ziemlich erfolgreich, unseren Camper und die Milchstrasse auf ein Bild zu bringen:
Tag 7: Der nächste Morgen empfing uns warm und schwül. Die kalten Nächte scheinen wir (zumindest vorerst) hinter uns gelassen zu haben. Als wir das Dachzelt zusammenklappten, kamen wir bei den vormittäglichen Temperaturen von fast 30°C und der hohen Luftfeuchtigkeit ganz schön ins Schwitzen. Das Leben mit Dachzelt (für uns ein Novum) ist übrigens sehr angenehm, sofern es nachts nicht bitterkalt ist. Das Ganze ist natürlich darauf ausgerichtet, dass man viel Zeit draussen verbringen kann. Der Camper ist wirklich genial ausgestattet. Zwar bedeutet es viel Klappe auf und Klappe zu, Kiste raus und Kiste rein, aber wenn man alles einigermassen gut eingeräumt hat, funktioniert alles schnell und gut. Auch das Zelt ist in ca. 10 Minuten auf- oder abgebaut und mit der ausziehbaren Küchenzeile kommen wir mittlerweile auch gut zurecht. Als wir alle unsere Habseligkeiten zusammengeräumt hatten, fuhren wir die 15 km aus dem Nationalpark hinaus und wieder zurück auf die geteerte Strasse. Nach einem kurzen Stopp am Shell Beach, der komplett aus kleinen Muscheln besteht, ging es knapp 350 km Richtung Norden.
Carnarvon ist die Hauptstadt des grössten Gemüse- und Früchteanbaugebiets Westaustraliens. Wir nutzten die Stadt allerdings nur als Zwischenstopp mit guter Infrastruktur, damit wir den roten Peron-Sand abwaschen und unsere Vorräte aufstocken konnten.
Tag 8: Am Sonntag fuhren wir relativ früh los, um einzukaufen und zu tanken. Danach ging es erst 160 km auf einer geteerten Strasse Richtung Osten (ins Inland) und danach ca. 60 km auf einer Schotterstrasse Richtung Norden. Bis zur Abzweigung zum Kennedy Range Nationalpark war der Strassenzustand nicht schlecht, offenbar ist sie erst kürzlich ausgebessert worden. Dafür gibt es in Australien Grader, grosse Baumaschinen mit einer Art Pflug, die die Corrugations (Wellblech) und andere Unebenheiten beheben. Ab der Abzweigung zum Nationlpark war der Strassenzustand dann sehr wechselhaft. Flynn und Simu meisterten aber alles tiptop und so trafen wir bereits kurz nach Mittag auf dem wunderschön am Fuss der Bergkette gelegenen Campingplatz ein.
Auf dem Campingplatz erwarteten uns Tausende von Fliegen, die mit grosser Ausdauer auf uns herumkrabbelten. Wir zogen erst mal unsere Fliegennetze an und waren damit in bester Gesellschaft. Von der vierköpfigen Familie bis zu den sogenannten Grauen Nomaden (grey nomads: pensionierte Australier, die ihren festen Wohnsitz aufgegeben haben und fix mit Auto und Wohnwagen unterwegs sind; meist sind sie da, wo das Klima gerade am angenehmsten ist) liefen alle mit Fliegennetzen rum. Das ist bei dieser Fliegenmasse, die wir so wirklich noch nie erlebt haben, auch kein Wunder. Der Mythos, dass nur Touristen Fliegennetze kaufen, stimmt also nicht! Denn wir waren die einzigen Nichtaustralier und bei dieser Fliegenmenge wäre es ansonsten auch wirklich nicht auzuhalten (Fotos dazu später). Wir stellten also das Dachzellt und zum ersten Mal auch die Sonnenmarkise auf, denn es war 33°C und die wenigen kleinen Bäume spendeten kaum Schatten. Unsere geplante Wanderung verschoben wir vorerst mal auf später.
Als die Temperaturen gegen 16 Uhr etwas erträglicher wurden, starteten wir doch noch zum 2 km langen Temple Gorge Walk, der uns durch die schattige Schlucht zu einem bereits recht eingetrockneten und trüben Tümpel brachte. Der Weg durch das trockene Flussbett und über Stock und Stein war sehr schön; Fotos gibt es leider keine, weil unsere Handykamera die spätnachmittäglichen Schatten in Kombination mit den goldfarben glänzenden Berggipfeln leider nicht wirklich abbilden konnte. Aber nichts gegen Handykameras, schliesslich machen wir fast alle Blog-Fotos mit dem Handy! Die Fliegen verschwanden tatsächlich erst, als es wirklich dunkel war. Sogleich waren die Mücke da. Für uns bedeutete das einen frühen Feierabend. Wir halten euch weiter auf dem Laufenden. Herzliche Grüsse Simon, Meret und Flynn 🙂